Der Silberkurs ist im vergangenen Jahr stark angestiegen. Inzwischen ist der Preis auf weit über 2700 € pro kg geklettert, was im Vergleich zum Vorjahr einem Anstieg von mehr als 190 % entspricht. Das wirft natürlich Fragen auf. Was hat diesen Höhenflug verursacht? Und warum ist das Interesse an Silber so groß?
Johan de Ruiter, CEO von Goldwechselhaus, hat dafür eine logische Erklärung: “Der Silberkurs bewegt sich selten ohne Grund. Was wir jetzt sehen, ist das Ergebnis mehrerer struktureller Entwicklungen, die sich zeitgleich vollziehen.“

In der Vergangenheit haben sich Silber und Gold immer relativ parallel entwickelt. In den letzten Jahren stieg der Preis von Gold enorm an, wodurch es für viele Anleger weniger erschwinglich wurde. Dadurch verlagerte sich ihr Interesse auf Silber.
„Viele Anleger betrachten Silber als logische Ergänzung ihrer Goldinvestitionen“, erklärt De Ruiter. „Nicht anstelle von Gold, sondern zur besseren Diversifikation in derselben Kategorie: greifbare Werte in Zeiten der Unsicherheit.“
In der Vergangenheit war der Unterschied zwischen den Gold- und Silberpreisen weniger groß. Da der Goldkurs in den letzten Jahren so stark anzog, hat sich die Differenz zum Silber vergrößert. Auch darum wird Silber heute als relativ preisgünstig empfunden.
Während Gold vor allem eine monetäre Funktion hat, ist Silber auch ein wichtiger Rohstoff für die Industrie. Es wird unter anderem in Elektrofahrzeugen, Solarmodulen und Elektronik verarbeitet. Der Anwendungsbereich ist groß und die Nachfrage steigt stetig an.
„Jedes Elektroauto enthält Silber. Pro Fahrzeug ist das zwar nur wenig, aber weltweit summiert sich das zu enormen Mengen“, erklärt De Ruiter. „Hinzu kommt, dass Silber meistens nicht recycelt wird. Darum steht das Angebot strukturell unter Druck.“ Damit sich das Recycling lohnt, müssten die Preise viel höher sein. So geht in der Produktionskette viel Silber verloren.
Außer der Nachfrage der Industrie spielt auch das Angebot eine Rolle. China hat in letzter Zeit weniger Silber exportiert und nutzt die Vorräte häufiger im eigenen Land. Auch das verstärkt die Knappheit auf dem Weltmarkt. „Wenn Angebot und Nachfrage aus dem Gleichgewicht geraten, entsteht schnell eine Kettenreaktion“, weiß De Ruiter. „Die Anleger fangen an, Silber zu horten, was den Preis in die Höhe treibt.“
Interessanter in unruhigen Zeiten
Ebenso wie bei Gold spielt die Ungewissheit in vielen Bereichen eine wichtige Rolle: geopolitische Spannungen, Verschiebungen im wirtschaftlichen Machtgefüge und Sorgen über Währungsentwicklungen. „In Zeiten der Unsicherheit suchen die Menschen nach Halt“, so De Ruiter. „Und Edelmetalle sind etwas Greifbares. Das wirkt sich jetzt klar auf den Silbermarkt aus.“
Vom „Gold der Armen“ zum begehrten Edelmetall
Silber wurde früher oft als „Gold der Armen“ bezeichnet, da es eine Alternative zum oft unerschwinglichen Gold war. Das hat sich grundlegend geändert. Silber ist inzwischen ein Edelmetall mit klar definierter eigener Funktion, sowohl in der Industrie als auch in den Anlageportfolios. Während es früher vor allem als Alternative zu Gold betrachtet wurde, gilt es heute als vollwertiges eigenständiges Produkt. „Silber ist längst kein Nebenprodukt mehr“, so De Ruiter. „Es hat eine eigene Dynamik und großen Wert sowohl für die Industrie als auch für Anleger.“
Größeres Angebot
Diese Verlagerung stellt man bei Goldwechselhaus auch in der Praxis fest. Die Nachfrage nach physischem Silber steigt ebenso wie die Menge des Silbers, das von Kunden zum Verkauf angeboten wird, etwa in Form von Silberschalen, -münzen und -besteck. „Das ist nicht verwunderlich“, erklärt De Ruiter, „denn Silber bringt heute fast dreimal so viel ein wie noch vor einem Jahr. Diesen hohen Kurs wollen viele natürlich nutzen.“
Erwartung
Angesichts des starken Anstiegs lässt sich die weitere Entwicklung kaum vorhersagen. Die Volatilität ist sehr hoch. Fest steht aber, dass die zugrunde liegenden Faktoren nicht vorübergehender Natur sind. „Wir betrachten Silber vor allem als langfristige Anlage“, berichtet De Ruiter. „Das ist nichts für kurzfristige Spekulationen, sondern ein Wert, mit dem sich ergänzend zum Gold ein gut diversifiziertes Vermögen aufbauen lässt.“